Nach der Abreise aus Santiago und dem Besuch von Papst Franziskus in Chile habe ich oft den Namen Mapuche in den Nachrichten gelesen. Auf der Busfahrt haben ich dann mal etwas mehr gesucht und dabei die interessante Geschichte der einzigen Südamerikanschen Kultur gelesen, die sich über viele Jahrzente den europäischen Eroberern erfolgreich entgegenstellte und sogar einen Friedensvertrag mit eigenem Staat erreicht hat. Da die Chilenen dieser Vertrag im 19.Jahrhundert einfach für nichtig erklärt haben und das Land seitdem mehr und mehr enteignet haben gibt es hier einen heftigen Konflikt und einige den Mapuche haben daher in den letzten Wochen mehrere Kirchen angezündet und griffen mittlerweile zu extremen Mitteln und gegen die Unterdrückung zu kämpfen. Wer sich wie ich für Geschichte interessiert wird mit diesem Thema einen weiteren ungelösten Konflikt finden.
Nach zwei Tagen in der eher unspektakulären Stadt Temuco habe ich mich Richtung Westen in den kleinen Küstenort Puerto Saavedra aufgemacht. Dieser hat außer einem Steinstrand und einem künstlichen Wald als Schutz gegen Tsunamis nichts weiter zu bieten aber dafür habe ich zwei wunderschöne Sonnenuntergänge und Spaziergänge erlebt. Der städtische Campingplatz lag nur wenige Meter vom Strand und war wegen der im Wald gelegenen privatem Konkurrenz auch nicht voll.





Anschließend ging es mit dem Bus über Temuco nach Villarica am Villarica See direkt neben dem Volcano Villarica. Dort habe ich das erste Mal mit einer älteren Chilenin deutsch gesprochen, da mir das spanische Wort nicht bekannt war und sie mir überraschend einfach auf deutsch die Frage gestellt hat. Der Ort liegt malischerisch gelegen gegenüber dem Vulkan direkt am See und es war alles auf Touristen eingestellt ohne übertrieben zu wirken. Deutsche Namen wie der Mercado Fritz, das Restaurant Rostock oder der Optiker Schiller waren überall zu finden. Ich hatte einen Camping Platz am Ende der Promenade gefunden und einen abgelegenen Platz neben einem kleinen Bach erhalten. So konnte ich bei einem dauerhaften Rauschen sehr gut schlafen und habe praktisch keine anderen Nebengeräusche mehr gehabt.





Auf dem Camping habe ich eine Familie kennen gelernt, die am nächsten Tag die etwa eine Stunde entfernt gelegenen heißen Quellen besuchen wollen und mich sofort eingeladen haben. Das Ziel waren die „Termas Géometricas“ östlich von Villarica. Die Becken wurden direkt in einen Canyon gebaut und das heiße und kalten Wasser kam an unterschiedlichen Stellen aus dem Felsen. Der gesamte Canyon war mit vielen Planzen bewachsen und ich fühlte mich wie in einem Urwald. Neben dem Becken mit 32-45 Grad warmen Wasser gab es noch zwei Wasserfälle als Dusche, die allerdings mit Vorsicht zu genießen zu waren. Der eine war 1 und der andere 9 Grad warm an diesem Tag. Insgesamt waren wir fast 8 Stunden vor Ort und haben es einfach nur genoßen und ich würde jedem empfehlen dies auch zu tun.





Nach drei Tagen ging es wieder Richtung Küste und in die Stadt Valdivia. Diese liegt in einem Flußdelta und auf mehreren Inseln verteilt. Der Campingplatz meiner Wahl lag auf der Insel Teja und somit etwas außerhalb der Stadt. Auch Valdivia hat einen nicht zu übersehbaren deutschen Einfluss erlebt und überall stolpert man über bekannte Namen. Das meiner Meinung nach leckerste chilenische Bier kommt aus der hier ansässigen Brauerei Kunstmann (Original Werbeslogen „Das gute Bier“). Im Gespräch mit einigen Chilenen gab es Verwunderung darüber, dass die Marke in Deutschland nicht existierte.




Der Hafen von Valdivia ist klein aber nett und wimmelte vor Booten. Dem bunten Treiben wurde dann noch von mehren Seelöwen, die sich auf Pontons sonnten bereichert und damit für Unterhaltung sorgten. Das Stadtzentrum hatte wenig zu bieten und so habe ich den Plaza del Armas besichtigt und die kühle Luft im Schatten genoßen.





Von der Küste ging es dann wieder ins Landesinnere zum See Llanquihue und schon bei der Anfahre war der beeindruckende Vulkan Osorno zu sehen. Das in Frutilla Bajo und Frutilla Alto geteilte Städtchen lag perfekt in einer Bucht auf der gegenüberliegenden Seite des Vulkanes. Hier hatten sich um 1850 die ersten deutschen Siedler niedergelassen und die Ortschaften um den See zu einem kleinen angeschiedenen Landstrich aufgebaut. So gab es Fähren und alles war über das Wasser verbunden. Orte wie Puerto Varas oder Llanquihue entstanden ohne eine Verbindung nach Temuco und blieben so lange Zeit sehr isoliert.





Es entwickelte sich ein kleiner Chilenischdeutscher Mikrokosmus, der sich bis heute gehalten hat auch wenn hier nur noch deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Allerdings habe ich auch lange nicht mehr so viel Jodeln und Akkordeon mehr gehört wie hier. Die Kulturpflege des deutschen Vereins und der Schule ist hier mehr als offensichtlich. In Frutillar Bajo gibt ein ein Freilichtmuseum zur Kolonisation der Gegend, dass einen kurzen Besucht wert ist. Es wurde eine Schmiede, eine Gutshaus, eine Mühle und eine Scheune orginialgetreu gebaut und eingerichtet. Dieser Ort vermittelt einen Eindruck wie es sich hier mal gefühlt haben muss.




Der Camping Platz lag auf einem Bauernhof und ich hatte schon im Bus ein Päärchen aus Santiago kennen gelernt, mit denen ich zwei Abende beim Kartenspielen und Bierchen Trinken viel Spaß hatte. So habe ich auch das erste Mal Lagerfeuer in Chile erlebt und wieder viele Sterne gesehen.


Die letzte Stadt in der Region ist das nur wenige Kilometer entfernt und an der Küste gelegene Puerto Monntt. Von hier geht es Morgen dann weiter mit der Fähre nach Puerto Natales und somit in den extremen Süden. Ich bin auf die drei Tage an Board gespannt und die Aussicht auf die Fjorde und Küste.





Wer sich schon immer gefragt hat was ich so mit mir rumschleppe, dem zeige ich jetzt mal ein Foto meines Rucksacks. Dieser sollte mit Essen für 2-3 Tage und Zelt um die 27-28 KG wiegen und eignet sich damit nicht für längere Spaziergänge als 10-15 Km am Tag.


Was würdet Ihr sonst gerne über mich und meine Reise wissen oder habt ihr Ideen worüber ich berichten sollte?
Wer liest hier eigentlich so mit?
Beste Grüße ins kalte Deutschland!
