Ich hoffe alle Leser haben die Feiertage gut überstanden und sind erfolgreich ins neue Jahr gerutscht. Von dem Einen oder Anderen wurde ich in den letzten Tagen gefragt, wann es mal wieder einen Beitrag gibt und ich verspreche euch auch weiterhin an meiner Reise teilhaben zu lassen.
In den ersten Wochen in Peru habe ich gemerkt wie unangenehm es mir war nicht mit anderen Mensch reden zu können. Ich kannte zwar einzelne Wörter und auch ein paar Sätze um damit einzukaufen oder essenzugehen aber mehr auch nicht. So wurde ich zum Beispiel von meinem Surflehrer in Mancora zum Fußballgucken eingeladen aber könnte mich leider nur mit wenigen Leuten unterhalten und habe jede Chance genutzt Englisch zu sprechen. Die Aussprach der Peruaner war zu schnell und zu undeutlich für mich um so die Sprache zu lernen. Daher hatte ich beschlossen in Santiago de Chile eine Sprachschule zu besuchen. Auf der Wanderung in Colca Tal wurde mir „Ecela Español“ empfohlen und so habe ich mich spontan für den nächsten Montag für vier Wochen Spanisch lernen angemeldet. Des Weiteren hatte ich so die Möglichkeit während der Feiertage in Santiago de Chile zu sein und könnte ein paar Bekannte aus den letzten Wochen treffen, die ebenfalls dort waren.
Der Unterricht begann um 9 Uhr mit Konversation bis 10:50 Uhr und nach 20 Minuten Pause folgte bis 13:00 Uhr Grammatik. Alles wurde auf Spanisch besprochen und nur wenn es nicht mehr anders ging ins Englische übersetzt. Durch dieses Vorgehen musste ich im Zweifel die englische Erklärung ins deutsche Übersetzen und so war ich nach dem Unterricht meistens erstmal Erschöpft und für eine kurze Mittagsstunde zu haben. Am Abend galt es dann die Hausaufgaben zu machen und einfach Vokabeln üben. Daher erklärt sich auch, dass ich in der Woche wenig unterwegs war und relativ wenig von der Stadt erkundet habe. Es gab also auch weniger zu berichten im Blog.


In den Weinachtsfeiertagen und Silvester bin ich viel mit anderen Mitschülern unterwegs gewesen. Entweder waren wir in der Nähe meiner Zimmers im Stadteil Providencia essen und feiern oder haben uns im Partyviertel Bellavista getroffen.

Die Stadteile Providencia und Los Condes liegen im Osten der Stadt und gehören zu den besten Wohngebieten. Es gibt hier nicht ganz so viele Hochhäuser und die Straßen sind oft gesäumt von Bäumen. In die Innenstadt sind es wenige Minuten mit der Metro und es fühlt sich sicher an. Vom ersten Augenblick an habe ich mich sehr zu Hause gefühlt und kam mir nach der Zeit in Peru fast wie in Europa vor.




Da viele Schüler alleine in Chile waren hat die Schule jeden Tag eine Aktivität angeboten. Mein erster Ausflug war ein Besuch der Märkte in der Nähe der Metrostation „Santa Lucia“. Ich schreibe absichtlich Märkte, da es für jede Warengruppe einen eigene großen Markt gab. Diese Hallen für Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Gewürze, Blumen, Kleidung oder Spielzeug war toller Händler und die Preise waren fast immer 1/3 unter den Preisen in den Supermärkten und die Vielfallt erheblich umfangreicher. Daher kann ich nur empfehlen hier zu essen und einzukaufen. Allerdings umbedingt auf Taschen und Rücksacke aufpassen, da hier sehr viel geklaut wird im Gedränge.

Die Stadt ist von vielen hohen Bergen umgeben und der historische Stadtkern mit der Kathedrahle, dem Präsidentenpalast und dem Plaza del Armas (Hauptplatz) liegt zwischen dem Fluss Mapoche und dem kleinen Berg „Santa Lucia“. Dieser wurde seit Gründung der Stadt zur Verteidigung genutzt und war vorher ein Heiliger Ort der Ureinwohner. Mit dem Wachstum der Stadt wurde die Luft schlechter und so entschied die Verwaltung den einfachen Fels in einen Park umzugestalten und lies ihn aufwändig aufschütten und begrünen. Bis heute ist dieser Park öffentlich und wird viel genutzt, da hier im Gegensatz zur tiefer gelegenen Stadt meist eine laues Lüftchen weht. Ich habe selbst erfahren wie sich hier 35 Grad anfühlen und das ohne den möglichen Schmog.
Der Park Santa Lucía ist der Hügel rechts im Bild.

Heute gibt es neben dem eher kleinen und wenige Meter hohen Park „Santa Lucía“ auch den bis zu 350 Meter hohen Park „San Cristobal“ mit einer großen Statue der Schwangeren Maria. Diese wurde zusammen mit einem Altar für den Papstbesuch von Johannes Paul II errichtet. Die beiden Gipfel sind mit einer Seilbahn verbunden und die Aussichtspunkte können erwandert werden. Ausserdem gibt es zwei Bahnen und Straße. Die Aussicht ist es wert und ich bin zwei mal hochgewandert. Der gesamte Berg ist ein einziger großer Park und bietet außerdem noch einen Zoo. Diesen habe ich aber nicht besucht, da die Tierhaltung in Südamerika keinen hohen Standard haben soll und ich es nicht unterstützen wollte.


Der zweite Ausflug mit der Sprachschule war ein abendlicher Ausritt in die Berge bei Lo Barnechea. Dieser wunderschöne und ländliche Stadtteil liegt im Nordosten Santiagos. Die ersten Minuten im Sattel waren ungewohnt und mein Pferd gehört natürlich zu den hungrigsten und war somit auch immer am Ende der Gruppe zu finden. Es nutze meine totale Ahnungslosigkeit in Sachen Reiten gnadenlos aus und ohne die Hilfe unseres Guides wäre ich wohl nur wenige Meter weit gekommen und dann entweder in einem Baum/Strauch hängen geblieben und wieder abgestiegen weil das Pferd nur gefressen hätte. Nachdem es sich dann doch überzeugen lies auf meine laienhaften Anweisungen zu hören entwickelte sich ein unterhaltsamer Ausflug und der eine oder andere kurze Trap machte unerwartet viel Spaß.

Nach etwa 1:30 Stunden sind wir an einem malerisch gelegenen Grillplatz angekommen und haben bei dem einen oder anderen Glas Rotwein gegrillt. Der Sonnenuntergang über Santiago war einfach toll und hat die gesamte Gegend in allen möglichen Gelb- und Rottönen erstrahlen lassen. Als die Sonne untergegangen war machten wir uns im Dunkeln auf den Rückweg und ich hatte die Erkenntnis, dass auch angetrunkene Reiter schnell vom Weg abkommen wenn sie kurz aufs Handy gucken. Jedenfalls war ich innerhalb weniger Sekunden im Hang neben dem Weg und wusste nicht warum. Glücklicherweise hat mein Pferd mitgedacht und ist nicht gegen einen Baum oder Fels gelaufen.


Die vier Wochen waren intensiv aber sehr lehrreich und schnell vorbei. Mit dem gelernten bin ich zu frieden und gespannt wie es sich in den nächsten sechs Wochen entwickelt. Das eine oder andere Gespräch hat sich schon ergeben auch wenn das Wörterbuch weiterhin ein treuer Begleiter ist. Ich würde jedem raten vor einer Reise nach Südamerika und insbesondere Chile die Grundlagen in Spanisch an zu eignen. Englisch kann hier sehr selten verwendet werden und wer gerne Kontakt mit Menschen hat ist hier sonst schnell sehr einsam.
Am letzten Samstag habe eine Wanderung zum „Cerro El Morado“ mitgemacht. Dieser Berg liegt etwas mehr als eine Stunde Autofahrt südöstlich von Santiago de Chile. Die Region „San José de Maipo“ hat viele Gletschern und Vulkanen und biete sich daher gut zum wandern an. Die vielen kleine Dörfer sind auf Touristen eingestellt und neben Wanderungen gibt es viele andere Aktivitäten wie Radfahren, Rafting oder im Winter auch Skifahren. Die Berge sind hier teilweise 5500-6200 Meter hoch und das Umland liegt nur bei 2000-2200 Meter über null. Somit ist für mehr als genug Höhenunterschied gesorgt und selbst im Hochsommer liegt in der Region teilweise Schnee und die Gletscher haben noch einige Jahre bis auch sie geschmolzen sind. Diese Entwicklung ist aber deutlich erkennbar und wird überwacht, da die Wasserversorgung der Metropolregion auch vom Gletscherwasser abhängt. Der Aufstieg zum kleinen Gletschersee des „Cerro El Morado“ dauert etwa 4 Stunden und bedeutete ungefährt 9km wandern. Dabei passierten wir Umgebungen mit unterschiedlichen Farben. Es gab alle mögliche Varianten von grauen, schwarzen, roten, gelben oder grünen Gestein und dieses wurden durch unterschiedlich farbige Blumen verziert. Am Gletscher angekommen sind wir mit einem tollen Panorama auf 3400 Metern belohnt worden.




Das Klima am See war mit 8-10 Grad und starkem Wind sehr unangenehm und ich hätte fest vergessen, dass es in Santiago zur gleichen Zeit sommerliche 32 Grad warm war. Daher war ich froh sowohl einen dicken Pulli als auch eine Wintermütze mitgenommen zu haben. Auf dem Rückweg habe ich immer wieder angehalten um die tolle Aussicht und unterschiedlichen Stimmung zu genießen. Somit fiel der Abstieg sehr leicht und die knapp drei Stunden vergingen schnell.




Die Rückfahrt wurde mit einem Besuch in einem kleinen Restaurant unterbrochen um super leckere Empanadas zu essen. Das sind in Südamerika sehr beliebte gefüllte Teigtaschen, die in jedem Land oder jeder Region anders zu bereitet werden. In diesem Restaurant wurde sie gebacken und zum Beispiel mit Käse, Oliven und Mais gefüllt. Im Nordchilenischen Arica habe ich sie frittiert und mit Meeresfrüchten oder Fisch probiert.
In den letzten zwei Wochen habe ich viel drüber nachgedacht in welche Richtung ich weiter reisen wollte. Die eine Idee war wieder Richtung Norden zu reisen und Länder wie Bolivien, Ecuador oder sogar Kuba zu besuchen oder meine eigentliche Idee weiter zu verfolgen und den Süden von Chile zu erkunden. Ich habe mich nun für den Süden und somit Chile und Argentienen entschieden. Am 26.01. werde ich deshalb von Puerto Monntt die Fähre nach Puerto Natales nehmen und somit drei Tage und zwei Nächte die Küste mit ihren vielen Inseln, Fjorden und Kanälen erleben. Wann und wie ich dann durch Argentienen zurück nach Santiago reise und welche Route es wird, werden wir in den nächsten Wochen sehen.
Meine Bisherige Reise in einer groben Übersicht. Der blaue Pfeil ist mein aktueller Standort in Temuco und die rote Stecknadel im Süden Puerto Natales.
Seit Sonntag bin nun in Temuco einer Stadt in zentral Chile und werde in den nächsten zwei Wochen die umliegende Region erkunden und nach und nach Richtung Puerto Monntt reisen. Ich habe jetzt ein günstiges Zelt gefunden und kann somit endlich Campen.

Bis zum nächste Beitrag müsst ihr vermutlich nicht wieder so lange warten, da ich nun wieder mit dem Rucksack unterwegs bin.